Zwischen Kaffeetassen und Kinderklammern: Ein ganz normaler Vormittag 


Die Eingewöhnung lief wie im Bilderbuch. Nach nur wenigen Tagen klappte die Trennung wunderbar, und das neue Tageskind, die kleine Klara, blieb bereits die volle Zeit bei mir. Ein riesiger Erfolg, der mein Herz höherschlagen ließ – und mich gleichzeitig vor eine ganz praktische, typische Herausforderung des Tagesmutter-Alltags stellte.

Klara hatte in diesen ersten Tagen beschlossen, dass ich ihr sicherer Hafen war. Und zwar jede Millisekunde lang. Sie klammerte sich fest an mich, saß auf meinem Schoß oder wollte auf den Arm. Jede noch so kleine Veränderung meiner Körperhaltung, ja, selbst der Hauch einer Bewegung meinerseits, wurde von ihr misstrauisch beäugt und sofort mit Tränchen quittiert.

Nun bringt das Leben einer Tagesmutter es mit sich, dass man die eigenen Bedürfnisse oft hintenanstellt. Aber irgendwann meldet sich der Körper unmissverständlich. Nach zwei Tassen Kaffee zum Frühstück war es gegen elf Uhr so weit: Meine Blase forderte ihr Recht, und der Gang zur Toilette ließ sich absolut nicht mehr aufschieben.

Als ich versuchte, Klara sanft abzusetzen, geschah das Erwartete: Sie fing bitterlich an zu weinen. Doch in diesem Moment zeigte sich der Zauber meiner kleinen Gruppe. Sophie, fast drei Jahre alt, spürte sofort, was los war. Mit einer Empathie, die mich immer wieder staunen lässt, ging sie auf die weinende Klara zu. Sie legte ihr die kleine Hand auf die Schulter, streichelte sie sanft und sagte mit ernster, beruhigender Stimme:

„Nur Pipi.“

Ein kurzes Wort, das alles erklärte. Klara weinte zwar trotzdem bitterlich weiter – die Sehnsucht nach meinem Arm war in diesem Moment einfach zu groß –, aber sie war nicht allein. Während Sophie weiterhin geduldig Trost spendete, flitzte der kleine Hugo los. Sekunden später kam er strahlend zurück und drückte Klara fürsorglich ihr geliebtes Stofftier in den Arm.

Als ich kurz darauf das Badezimmer wieder verließ, bot sich mir ein Bild, das mich tief berührte: Klara schluchzte zwar noch ein wenig, war aber umringt von ihren neuen Spielkameraden, die sich rührend und mit vollem Einsatz um sie gekümmert hatten. In solchen Momenten weiß ich wieder ganz genau, warum ich diesen Job so sehr liebe.


Wer braucht schon Superhelden, wenn man eine Dreijährige mit dem totalen Durchblick und einen Stofftier-Rettungsdienst an seiner Seite hat? Teamwork im Zauberwald! 🧸❤



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