Der Montag ist kein Wochentag (Sondern ein Zustand)
Es gibt Tage, die stehen in keinem Kalender der Welt richtig beschrieben. Der Montag zum Beispiel. Für mich ist der Montag schon lange kein normaler Wochentag mehr, sondern ein ganz akuter, wöchentlich wiederkehrender Zustand. Es ist der Tag, an dem das Universum beschließt, die Schwerkraft im Bett gefühlt zu verdreifachen und die körpereigene Motivation klammheimlich auf den absoluten Nullpunkt herunterzufahren.
An so einem typischen Montagmorgen gibt es für mich im ersten Schritt genau ein einziges Überlebenselixier: Kaffee. Viel Kaffee. Am besten intravenös oder direkt eimerweise.
Wenn ich dann schlaftrunken in der Küche stehe und auf das Lebenszeichen der Kaffeemaschine warte, greife ich zielsicher nach meiner absoluten Lieblingstasse. Auf ihr prangt ein tiefenentspanntes Faultier, und darunter steht der glorreiche Satz geschrieben: „Ich kam. Ich sah. Und ich hatte keinen Bock.“ Was soll ich sagen? Dieses Faultier und ich – wir sind montags um 6:30 Uhr seelenverwandt. Wir teilen dieselbe tiefe Philosophie der absoluten Bewegungsverweigerung. Die Motivation ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ansatzweise aufgewacht.
Doch dann nähert sich der Zeiger unaufhaltsam der magischen Uhrzeit, zu der meine Kindertagespflege zum Leben erwacht.
Es klingelt an der Tür. Die Haustür geht auf, und herein stolpert die Rasselbande. Fünf Minis unter drei Jahren, die vom berüchtigten „Montags-Zustand“ natürlich noch nie etwas gehört haben. Im Gegenteil: Die sind fit, die sind laut, die haben das Wochenende komplett weggesteckt und bringen eine Energie mit, die eine Kleinstadt mit Strom versorgen könnte. Da wird gestrahlt, lautstark „Guten Morgen!“ gerufen und die erste Spielzeugkiste wird schwungvoll im Flur verteilt.
Und genau in diesem Moment passiert das eigentliche Wochenstart-Wunder.
Sobald ich in diese fünf paar strahlenden, erwartungsvollen Kinderaugen blicke, verzieht sich das Faultier im Kopf ganz schnell wieder auf seinen Baum. Der erste Schluck Kaffee entfaltet endlich seine Wirkung, und diese ansteckende, pure Lebensfreude der Kleinen schwappt eins zu eins auf mich über. Plötzlich schaltet das Gehirn um: Die Motivation ist auf einmal da, der Akku lädt sich durch das Lachen der Kinder im Rekordtempo auf, und ich merke wieder, wie unendlich gerne ich diesen Job mache.
Der Montag mag als Zustand anfangen, aber dank meiner Rasselbande endet er jedes Mal als der lebendigste und schönste Start in eine neue Woche. Da kann selbst das Faultier auf meiner Tasse nur staunend hinterher gucken!
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