Das Reis-Experiment oder:
Wie man ein Haus im Handumdrehen paniert
Es gibt Tage, da verlässt mich beim Kochen kurzzeitig der gesunde Menschenverstand. An einem dieser Tage stand ich in der Küche und dachte mir: „Mensch, heute gibt es mal eine schöne Gemüsepfanne mit Reis für die Minis. Das mögen sie alle, das ist gesund.“ Jede erfahrene Tagesmutter schlägt in diesem Moment wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen und ruft: „Tu es nicht, Alessandra! Tu. Es. Nicht!“ Aber an diesem Tag war ich mutig. Oder naiv. Suchen wir es uns aus.
Die Tragödie beginnt ja schon beim Transportweg vom Teller in den Mund. Reis besitzt nämlich die faszinierende physikalische Eigenschaft, absolut flüssig zu werden, sobald er auf einen Kinderlöffel oder eine Gabel geladen wird. Schwupps – gleitet die gesamte Ladung in Zeitlupe vom Löffel, prallt schwungvoll von der Tischkante ab und verteilt sich im perfekten 360-Grad-Radius auf dem Boden.
Versucht das Mini dann, die flüchtigen Körnchen mit den Händen einzufangen, schaltet der Reis sofort in den Modus „Sekundenkleber“. Er klebt an den Fingern, er klebt in den Haaren und er klebt mit Vorliebe unter den Socken.
Nach dem Mittagessen dachte ich noch optimistisch: „Gut, Besen geschwungen, Staubsauger an, Krümelmonster besiegt.“ Ein fataler Irrtum!
Denn Reis ist ein Rudeltier und extrem reiselustig. Er nutzt die Socken der Kinder als blinde Passagiere. Als wir wenig später rüber ins Spielzimmer marschierten, wo ich zwischenzeitlich die Bettchen für den Mittagsschlaf aufgebaut hatte, traf mich der Schlag. Der Reis hatte eine perfekte, lückenlose Spur gelegt! Eine schneeweiße Laufstrecke, die schnurgerade vom Esszimmer bis mitten ins Spielzimmer und direkt hinein in die Bettchen führte. Ich habe ernsthaft kurz kontrolliert, ob Hänsel und Gretel heimlich bei mir eingezogen sind.
Selbst in den Kissen und Decken hatten sich die kleinen Körnchen schon gemütlich einquartiert. Aber die absolute Krönung kam dann nach dem Schlafen am Wickeltisch: Ich mache den Body auf, ziehe die Windel auf – und was rieselt mir fröhlich entgegen? Richtig, Basmati! Wie zum Teufel schafft es ein Reiskorn bitteschön dahin?!
Ich bin mir ziemlich sicher: Wenn ich heute Abend auf dem Sofa sitze und meine eigenen Schuhe ausziehe, finde ich auch noch ein paar Körnchen. Wahrscheinlich schlägt mein Staubsauger morgen früh schon beim Einschalten von alleine Alarm.
Fazit des Tages: Reis schmeckt super. Aber wer sein Haus dekorativ im skandinavischen Körnchen-Stil umgestalten möchte, muss dafür nicht teuer renovieren – es reicht eine Tasse Reis und fünf hochmotivierte Kleinkinder!