Das 1-2-3-4-5-Karussell: Wenn das Herz auf dem Spielplatz kurz Pause macht 

So schön mein eigener Garten auch ist – Abwechslung muss sein! Deshalb packe ich die Minis regelmäßig ein und wir machen einen Ausflug zum nahegelegenen Spielplatz. 

Eigentlich ist dieser Ort ein absoluter Traum für jede Kindertagespflegeperson. Der Spielplatz ist komplett eingezäunt, wunderbar übersichtlich und bietet genau die richtigen Spielgeräte für die ganz Kleinen. Es gibt eine tolle grüne Wiese zum Flitzen und natürlich einen riesigen Sandkasten mit gefühlt Millionen von Sandkörnern, die magisch anziehend auf die Kinder wirken. Unser eigenes Sandspielzeug haben wir natürlich immer im Gepäck. Die Kinder lieben es einfach. 

Alles perfekt, alles entspannt, könnte man meinen. Doch während die Kinder friedlich buddeln, läuft in meinem Kopf ein ganz eigenes, rhythmisches Programm ab. Ein Dauerschleifen-Song, der lauter ist als jedes Kinderlachen: 

1, 2, 3, 4, 5... 1, 2, 3, 4, 5...

Es ist ein automatischer Kontrollzwang, der sich tief in mein Gehirn eingebrannt hat. Meine Augen scannen den Platz wie ein Radarschirm. Alle noch da. Perfekt. Fünf Sekunden später geht das Lied von vorne los: 

1, 2, 3, 4, 5... 

Und dann kommt dieser eine, fatale Moment, den wahrscheinlich jeder kennt, der Verantwortung für eine Rasselbande trägt. Ich fange wieder an zu zählen: 

1, 2, 3, 4... Pause. Schock. Wo zur Hölle ist das fünfte Kind?!

Mein Puls schießt in einer Nanosekunde von null auf zweihundert. Noch mal gucken, hektischer Scan: 1, 2, 3, 4. Nein, es bleibt dabei. Kind Nummer 5 fehlt im Suchradius. 

Die pure Hektik setzt ein. Obwohl der Spielplatz eingezäunt ist, malt sich das Kopfkino in Sekundenschnelle die wildesten Szenarien aus. Ich laufe los, die Knie weich, die Augen weit aufgerissen, ich suche, ich rufe, ich schaue hinter jedes Gebüsch... 

Und dann entdecke ich es. 

Kind Nummer 5 sitzt seelenruhig, völlig tiefenentspannt und mit sich und der Welt im Reinen im Sand. Es hat sich exakt so hinter einem Holzpfosten der Spielgeräte platziert, dass es aus meinem vorherigen Blickwinkel unsichtbar war. Es schaufelt zufrieden die Sandkörner von links nach rechts, schaut mich mit großen, unschuldigen Augen an und versteht die Welt nicht mehr, warum ich gerade aussehe, als hätte ich einen Marathon hinter mir. 

Das Blut sackt langsam wieder zurück in die Füße. Ich atme tief aus. Das System fährt wieder runter.

1, 2, 3, 4, 5. Alle wieder da. 

Dieser Job ist wunderschön, aber er fordert einem eben auch jede Sekunde die volle Aufmerksamkeit ab. Bis zum nächsten Ausflug genieße ich jetzt erst mal wieder die absolute Übersicht in meinem eigenen Garten – da kenne ich inzwischen jedenfalls jeden toten Winkel hinter den Tomatensträuchern!

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