Die Gurken-Invasion Oder: Wenn „Monika“ das Regiment übernimmt
Wer mich kennt, weiß: Ich backe einfach unglaublich gerne. Aber nicht nur das – ich gärtnere auch leidenschaftlich. Und wenn man ganz ehrlich ist, darf (und muss!) man sich ja auch mal selbst mit einem Augenzwinkern auf die Schippe nehmen: Ich habe aus der Zucchini-Apokalypse der Vergangenheit offensichtlich absolut gar nichts gelernt!
Man pflanzt im Frühjahr voller Hoffnung ein paar Setzlinge, hegt und pflegt sie, gießt fleißig das gesammelte Regenwasser aus der Zisterne – und ignoriert die leise innere Stimme, die schmerzhaft warnt: „Weißt du noch? Die Zucchinis? Als die Küche darin versank?“
Tja. Eigentlich dachte ich mir in diesem Frühjahr ganz unschuldig: Gurken gehen immer! Gurken sind schließlich das einzige dankbare, grüne Gemüse, das von Tageskindern und meinen Sohn eigentlich immer bedingungslos gegessen wird. Also zog eine ganz besondere Sorte bei mir ins Beet ein: Monika.
Monika ist laut Beschreibung nicht nur eine klassische Einlegegurke, sondern auch eine fantastische Snackgurke. Sie wird schätzungsweise 10 bis 12 cm lang – hat also die absolut perfekte Größe, um wunderbar in kleine Kinderhände zu passen. Der Plan stand: Eine feine, überschaubare Ernte für die Kinder zum gesunden Knabbern. Doch die Natur hatte ganz andere Pläne. Monika hat die Sache mit den „kleinen Portionen“ wohl gründlich missverstanden. Sie ist keine einfache Pflanze, sie ist eine Maschine. Statt einer gemütlichen Snack-Runde für zwischendurch hat sie im Alleingang die Massenproduktion angeworfen, die absolute Weltherrschaft übernommen und im Beet eine botanische Apokalypse ausgelöst. Wenn ich morgens ins Beet blicke, bekomme ich es fast mit der Angst zu tun.
Und sie ist nicht allein. Daneben wird es im Beet regelrecht exotisch. Ich habe dieses Jahr nämlich auch die Mexikanische Minigurke gepflanzt. Die Früchte sind winzig, sehen aus wie Mini-Wassermelonen und schmecken herrlich säuerlich. Das Problem? Diese Pflanze ist extrem kletterfreudig und nimmt einfach alles ein. Sie hat absolut keine Manieren. Wenn man nicht aufpasst, schlingt sie sich um die Gartenschere, rankt am Hosenbein hoch und plant wahrscheinlich heimlich schon den Einbruch durch das Küchenfenster, um das Regiment im Haus zu übernehmen. Dazwischen hängen noch die wunderschönen, runden, gelben Zitronengurken und die ganz klassischen, verlässlichen Schlangengurken.
Und als wäre das nicht schon genug Gurken-Wahnsinn, habe ich auch noch die hochgradig empfindlichen Luffa-Gurken im Anbau – die absoluten Diven im Beet. Aus denen will ich echte Peelingschwämme machen! Wenn sie reif sind, ziehe ich ihnen vorsichtig die Haut ab und lasse das Innere zu Schwämmen trocknen. Die Minis sind jetzt schon ganz fasziniert von dem Projekt. Das Beste: Diese selbstgezüchteten Öko-Schwämme werden Weihnachten das offizielle, stolze Geschenk der Kinder für ihre Eltern! Die Verpackung dazu werden wir selbst basteln. Spoiler: Es wird klebrig und glitzern.
Aber zurück zur aktuellen Ernteschwemme. Was macht man mit bergeweise frischen Gurken, wenn die eigene Küche schon aus allen Nähten platzt? Ganz genau: Man nimmt die Beute mit in die Kindertagespflege und hofft auf die unersättlichen Mägen von fünf Kindern unter drei Jahren.
Nun hat Gemüse bei Minis im Alltag oft einen schweren Stand. Aber die Gurke besitzt zum Glück einen unschlagbaren Endgegner-Vorteil: Sie knackt so herrlich beim Reinreißen. Mein morgendlicher Vorbereitungs-Marathon sieht in dieser Saison also aus wie in einer Großküche: Ich stehe am Brett und schnippele Monikas, Schlangengurken und die winzigen mexikanischen Melonen-Gurken im Akkord.
Sobald die Rasselbande den Tisch stürmt und die bunten Schüsseln sieht, bricht der große Gurken-Rausch aus. Fünf kleine Hände greifen synchron zu. Diese Kinder haben einfach immer Hunger. Und anstatt die gesunden Vitamine skeptisch zu beäugen, werden die Snackgurken weggeputzt wie warme Semmeln. Es knackt links, es schmatzt rechts. Jonas bunkert sich direkt drei Sticks in der Hand, Emma rollt begeistert eine Zitronengurke über den Tisch, und die mexikanischen Minis werden wie Bonbons in den Mund geflippt. Ehe ich mich versehe, ist die erste riesige Schüssel komplett leergefegt.
Meine Tageskinder sind offiziell meine besten Ernte-Helfer und fungieren als hochpräzise, biologische Snack-Vernichter. Monika hat keine Chance gegen uns!
So hat meine Garten-Invasion am Ende alle glücklich gemacht: Die Minis hatten den ultimativen Knabberspaß und ich habe die leise Hoffnung, dass Monika irgendwann mal ein Päuschen einlegt.
Tja... getreu dem Motto: Wieder absolut nichts draus gelernt! Mal schauen, welches Gemüse sich im nächsten Jahr für die Massenproduktion bewirbt…