Kaffee und die magische Notfall-Schokolade oder: Warum Karotten manchmal einfach versagen 


Es gibt Tage im Leben einer Tagesmutter, da reicht pädagogisches Geschick alleine einfach nicht aus. Da braucht es schwerere Geschütze. Genauer gesagt: zwei ganz bestimmte Säulen, die mein gesamtes Geschäftsmodell der Kindertagespflege überhaupt erst aufrechterhalten. Die Rede ist von heißem Kaffee und der streng geheimen Notfall-Schokolade.

Fangen wir beim Kaffee an. Ohne Kaffee am Morgen geht hier absolut gar nichts. Er ist nicht bloß ein Getränk, er ist mein flüssiges Schutzschild gegen das morgendliche Chaos.

Zwischen 7:00 Uhr und 8:30 Uhr morgens trudeln meine fünf Minis nacheinander ein. Da wird die Bude schlagartig zum turbulenten Taubenschlag: Jacken werden ausgezogen, Taschentücher gesucht, Wochenend-Erlebnisse im Turbo-Tempo erzählt und die ersten Spielzeuge erobert. Damit ich bei diesem morgendlichen Wusel-Marathon ab der ersten Sekunde voll einsatzbereit bin, muss mein Koffein-Spiegel auf Anschlag sein. Kaffee verwandelt mich von der müden Mama im Halbschlaf in eine hochpräzise, multitaskingfähige Super-Tagesmutter, die synchron Tränen trocknen, Bananen in Rekordzeit schälen und im Slalom um Spielzeugautos tanzen kann.

Das Problem ist nur: Der Job ist unberechenbar. Und manchmal reicht selbst der stärkste Kaffee nicht mehr aus.

Ihr kennt diese Momente: Es ist elf Uhr mittags. Die berüchtigte Phase kurz vor dem Mittagessen. Ein Kind zahnt und weint aus Solidarität einfach mal mit, das nächste hat beschlossen, dass Schuhe-Anziehen heute eine Verletzung der Menschenrechte ist, und Nummer drei versucht gerade, die Wand mit einer abgekauten Reiswaffel neu zu dekorieren.

In genau solchen Momenten schlägt die Stunde meiner absoluten Geheimwaffe: Die Notfall-Schokolade.

Gut versteckt im allerobersten Regal in meiner Speisekammer – also in einer schwindelerregenden Höhe, die kein Mini-Auge jemals erspähen und kein Mini-Arm jemals erreichen kann – wartet sie auf ihren strategischen Einsatz. Und nein, liebe Ernährungsratgeber, in einer echten Akut-Krise helfen Notfall-Karotten überhaupt nicht! Wer bitteschön hat jemals wütend oder gestresst in eine Karotte gebissen und sich danach tiefenentspannt gefühlt? Eben, niemand. Das funktioniert rein biologisch schon gar nicht. Eine Karotte macht knack, aber Schokolade streichelt die Seele.

Ein winziges Stückchen reicht oft schon. Während die Minis kurz beschäftigt sind, husche ich kurz in die Speisekammer, flippe mir unbemerkt ein Stück Nervennahrung in den Mund, atme tief durch und spüre, wie das Glück und die pädagogische Gelassenheit in meinen Körper zurückkehren. Undercover-Mission geglückt.

Am Ende des Tages ist es ganz einfach: Ich liebe meinen Beruf und jeden einzelnen meiner fünf Minis von ganzem Herzen. Aber man muss auch ehrlich sein: Mit einem heißen Kaffee in der Hand und einem Riegel Schokolade in der Speisekammer lässt sich die Welt
 (und die Kindertagespflege) einfach ein kleines bisschen leichter retten!


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