Die gemeine „Schubsnudel“ oder: Wenn das Mittagessen lebendig wird
Wer jeden Tag mit Kindern unter drei Jahren am Mittagstisch sitzt, weiß: Essen ist bei den Minis nicht nur reine Nahrungsaufnahme. Essen ist ein Erlebnis, ein sensorisches Abenteuer und manchmal auch eine ganz eigene sprachliche Herausforderung. Die Logik der Kleinen schlägt die deutsche Grammatik nämlich in schöner Regelmäßigkeit um Längen.
Ein absoluter Klassiker aus meiner Küche ist die Geschichte der kleinen Elisa.
Es war einer dieser Tage, an denen ein schnelles, allseits beliebtes Pfannengericht auf dem Plan stand. Ich stand also am Herd, schwenkte die Pfanne, und der wunderbare Duft von goldbraun angebratenen Schupfnudeln zog durch das ganze Haus. Die Rasselbande stürmte erwartungsvoll den Tisch.
Die dreijährige Elisa guckte mit riesigen, neugierigen Augen in die Schüssel, zeigte mit dem kleinen Finger auf die länglichen Teigwaren und rief völlig begeistert: „Au ja, Alessandra! Heute gibt es wieder Schubsnudeln!“
Ich musste mir das Lachen wirklich verkneifen. Schubsnudeln.
Wenn man mal ganz scharf darüber nachdenkt, macht das aus Kindersicht ja auch absolut Sinn. Diese kleinen Dinger sind in der Pfanne total rutschig.
Wenn man versucht, sie mit der Gabel aufzupieksen, flitschen sie gerne mal weg. Sie schubsen sich quasi gegenseitig über den Teller. Warum sollten sie also bitte „Schupfnudeln“ heißen? Das versteht doch kein Mensch. „Schubsnudeln“ trifft den Nagel auf den Kopf!
Ab diesem Moment war das Gericht offiziell umbenannt. Wenn Elisa am Tisch saß, sahen wir uns regelmäßig mit der „gemeinen Schubsnudel“ konfrontiert. Es wurde eifrig geschubst, gelacht und die Teigwaren wurden mit einer Begeisterung verputzt, die man bei einer schnöden Schupfnudel wohl nie gesehen hätte.
Seit dieser Zeit mit Elisa hat das Wort bei uns zu Hause dauerhaftes Bleiberecht erhalten. Wenn es bei uns heute Schupfnudeln gibt – egal ob für die Tageskinder oder abends für die eigene Familie –, stehen garantiert „Schubsnudeln“ auf dem Speiseplan.
Kindermund tut eben nicht nur Wahrheit kund, sondern liefert manchmal auch die viel besseren Namen für unser Essen!